Warum Indien gerade jetzt wichtig wird
Die Regionalkonferenz der TechnologieRegion Karlsruhe beleuchtete im April 2026 in der IHK neue Handelswege, hatte dabei besonders Indien im Fokus. „Keiner kann sagen, wie sich unsere bisherigen verlässlichen Handelspartner USA und China nächste Woche verhalten werden“, so Volker Hasbargen, Präsident der IHK Karlsruhe, bei Eröffnung der 53. Sitzung der Regionalkonferenz. Die Suche nach Alternativen bekomme durch die geopolitischen Veränderungen einen kräftigen Anschub.
Indien im Fokus
Die Hoffnungen auf niedrige Zölle und den Abbau von Handelsbarrieren wachsen, seitdem die Verhandlungen zwischen der EU und Indien im Januar abgeschlossen wurden. Das Ziel: nach dem „Mercosur-Abkommen“ mit Südamerika der nächste Aufbau einer riesigen neuen Freihandelszone. Auf dem indischen Subkontinent leben über 1,4 Milliarden Menschen.
Markteinstieg in Indien
Wie sie regionale Unternehmen beim Markteinstieg in Indien unterstützen kann, beschrieb Anne Krieckhaus, Geschäftsführerin der „Deutsch-Indischen Handelskammer“, die aus Düsseldorf zugeschaltet war. Die Kammer ist mit rund 100 Mitarbeitenden an sechs Niederlassungen vertreten, bietet viele Hilfestellungen: von der Delegationsreise über Standort-und Personalsuche bis zur Firmengründung und interkulturelle Trainings. Schließlich bedeute Indien vor allem Beziehungen und Geduld", erzählte Krieckhaus mit einem Augenzwinkern.
Rasante Entwicklung
Das perfekte Stichwort für Murad Futehally von „Transweigh International/NMIMS India“. Der gebürtige Inder, der seit Jahrzehnten zwischen den Kontinenten wandelt und in Ettlingen lebt, verglich Indien mit einem schlafenden Elefanten: „Ein Tiger", lächelte er, „kann nur für 100 Meter schnell rennen. Der Elefant, wenn er denn mal wach sei, über 300 Kilometer weit laufen.“ Wie rasant sich durch Technologien, Investitionen und Umsetzungswille der Alltag in seinem Heimatland verbessere, zeigte Futehally anhand von gigantischen Schnellstraßen auf, die über das Wasser geführt werden und das chaotische Verkehrswirrwarr in moderne Bahnen lenke.
Schließlich führten Prof. Dr. Reiner Kriesten von der Hochschule Karlsruhe, Dipl.-Ing. Florian Kößler vom Karlsruher Institut für Technologie und Joerg Ritter von „RTE Prüftechnik“ aus, wie sich Theorie und Praxis zwischen den Kontinenten befruchten können. Alle drei sind insbesondere von der Begeisterungsfähigkeit junger Menschen in Indien beeindruckt. „Wir bekommen tolle Impulse von den Studenten“, so Ritter: „Das sind hungrige junge Menschen, die wollen Karriere machen, die wollen eine Idee verwirklichen.“ Manche machten ein Praktikum in Deutschland, einige seien übernommen worden und arbeiten in der Region Karlsruhe oder als Vertreter eines deutschen Unternehmens in ihrer Heimat.
Karlsruher Indien-Verbindungen
Immer wieder fliegen – wie jüngst Bundeskanzler Merz – Delegationen nach Indien. Auch von Karlsruhe aus gab es Ende Januar eine Delegationsreise, angeführt von Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup, Aufsichtsratsvorsitzender der TRK, der auch das „India Board Karlsruhe“ leitet, eine Plattform für indische Beziehungen. Diese über zehnjährige Institution „habe Vertrauen aufgebaut: Damit sind wir schneller als alle anderen Regionen.“ Ralf Eichhorn von der Wirtschaftsförderung Karlsruhe brachte von der vergangenen Reise den Rat mit, dass jetzt ein guter Zeitpunkt sei, in den Indien-Markt einzusteigen. Das bestätigte auch Jochen Ehlgötz, Geschäftsführer der „TechnologieRegion Karlsruhe GmbH“: „Bei unserer Delegationsreise im Februar haben wir viele Kontakte aufgebaut. Insbesondere bei Startups wird es zu weiteren Kooperationen kommen.“ Manuel Bischoff, Past-President der „Wirtschaftsjunioren Karlsruhe“, schlug in die gleiche Kerbe: Im vergangenen Herbst hatte er eine Delegation mit 27 Teilnehmenden nach Indien geführt und in zehn Tagen vier Städte und 20 Unternehmen besucht. Von Dialog auf Augenhöhe war die Rede und von einer großen Freude über die deutschen Gäste.
(Text: Ute Kretschmer-Risché – Abdruck mit freundlicher Erlaubnis der IHK Karlsruhe)
Foto: Haben Indien im Fokus (v.l.): Jochen Ehlgötz. Dr. Arne Rudolph, Dipl.-Ing. Florian Kößler. Manuel Bischoff, Volker Hasbargen, Dr. Frank Mentrup, Murad Futehally. Prof. Dr. Reiner Kriesten, Joerg Ritter
Quelle: IHK Karlsruhe