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Fokus auf Indien

International rekrutieren, kulturelle Brücken bauen, ein Familienunternehmen neu ausrichten, und das in einer männerdominierten Branche: Martina Sorrentino, „Technosoft GmbH“ und „BLAFOC Black Forest Consulting GmbH“ in Ettlingen, hat in kurzer Zeit eine Menge bewegt, stellte sich nun den Fragen des IHK Karlsruhe-Magazins „WiMa“. Dabei spricht sie offen über ihren Weg in die Nachfolge, über indische Ingenieurtalente, Führungsstil und darüber, warum sie jungen Frauen rät, mutiger aufzutreten. In Auszügen teilen wir, mit freundlicher Genehmigung der IHK Karlsruhe, das Interview.

???: Wie haben Sie den Übergang vom Unternehmen Ihres Vaters in Ihre Verantwortung erlebt, unternehmerisch und persönlich?

Martina Sorrentino: Geplant war ein sanfter Übergang. Ich wollte Stück für Stück mehr Verantwortung übernehmen. Dann wurde meine Mutter schwer krank, mein Vater hat sie gepflegt und sie ist schließlich auch verstorben. In dieser Zeit bin ich sehr plötzlich ins kalte Wasser geworfen worden. In einer Teilzeitstelle hatte ich zwar zuvor schon etwas im Tagesgeschäft unterstützt, aber die eigentliche Leitung kam auf einen Schlag. Mein Vater steht mir noch immer beratend zur Seite, auch wenn er eigentlich in Rente ist. Allerdings hätte ich mir in der direkten Übergangsphase sogar etwas mehr Einmischung gewünscht. Aber er hatte damals verständlicherweise den Kopf nicht frei.

???: Sie waren beruflich ursprünglich ganz anders unterwegs. Wie verlief Ihr Weg?

Sorrentino: Ich habe BWL an der damaligen Berufsakademie studiert und danach rund 20 Jahre als Assistentin der Geschäftsleitung in einem Softwarehaus gearbeitet. Als die Firma von einem amerikanischen Konzern übernommen wurde, bin ich, solange die Kinder noch kleiner waren, in Teilzeit in die Firma meines Vaters gewechselt.

???: Ihre Firma rekrutiert internationale Fachkräfte. Welche Entwicklungen sehen Sie derzeit in der internationalen Personalvermittlung?

Sorrentino: Wir bieten Ingenieursdienstleistungen an und greifen auf den Personalpool unserer Muttergesellschaft in Indien zurück. Viele deutsche Unternehmen finden für ihre spezialisierten Anforderungen kaum noch Personal. Der Druck wächst.

???: Warum liegt Ihr Fokus auf Indien

Sorrentino: Die Ausbildungsqualität ist dort sehr hoch, die Zahl der gut qualifizierten Absolventinnen und Absolventen enorm. Das liegt auch daran, dass in Indien der Wettbewerb sehr intensiv ist: Ein Einser-Abschluss ist fast Voraussetzung, praktische Erfahrung zählt alles. Dieser Leistungsgedanke bringt viele sehr motivierte Talente hervor. Und: Meine Mutter war Inderin. Dadurch habe ich einen persönlichen Bezug und ein gutes Verständnis für die Kultur.

???: Welche typischen Missverständnisse erleben Sie in der deutsch indischen Zusammenarbeit?

Sorrentino: Inder vermeiden es, „nein“ zu sagen. Das führt manchmal zu Missverständnissen. Wenn ich sage: „Wir müssen das so machen“, wird das oft nicht direkt hinterfragt. Außerdem ist Pünktlichkeit ein Thema. Zum Meeting kommt man gerne einmal 15 Minuten später. Wir schulen unsere Mitarbeitenden dafür intensiv. Gleichzeitig entwickeln wir im Management gegenseitiges Verständnis. Unsere Unternehmenssprache ist größtenteils Englisch, das hilft. Wenn beide Seiten verstehen, wie der jeweils andere tickt, entsteht Vertrauen und damit bessere Ergebnisse.

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Foto: IHK Karlsruhe